Das alte Chemiewerk Rüdersdorf

Es ist ein faszinierender Ort – das ehemalige Chemiewerk Rüdersdorf, gleich hinter der östlichen Landesgrenze Berlins. Ein riesiges Areal erzählt von Industriegeschichte, von Veränderung und schließlich vom Verfall.

Die Region um Rüdersdorf ist geprägt von riesigen Kalksteinbrüchen, die bereits seit 800 Jahren ausgebeutet werden, daher diente das um 1900 erbaute Werk zunächst zur Zementverarbeitung. Es rangierte unter dem Namen „C.O. Wegener Rüdersdorfer Portland Cementwerk“, benannt nach seinem Erbauer und Ziegeleibesitzer Carl Otto Wegener. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion auf Bauxit umgestellt, um den sich verändernden Bedarfen der Kriegswirtschaft Rechnung zu tragen. Nach Kriegsende wurden die Einzelteile des Werks durch die Sowjets demontiert, und die Produktion kam zunächst zum Erliegen.

Zu DDR-Zeiten begann man ab den 1950er Jahren die Anlage für die Produktion von Magnesiumphosphat zu nutzen, welches zu Dünger und Tierfuttermittel weiter verarbeitet wurde, was dem Standort zu erheblichem Aufschwung verhalf. Es hieß nun VEB Chemiewerk Coswig, Betriebsteil Rüdersdorf. In der großen Halle zeugen noch alte Tanks davon.

Auch das phosphorgrüne Wasser in den Becken erinnert an die frühere chemische Produktion.

Nach der Wende 1990 ereilte das Werk dann das Schicksal, wie so vielen anderen Betrieben und Produktionsstätten in den Neuen Bundesländern: durch Fehlspekulationen einiger Investoren ging es Ende der 1990er Jahre in die Insolvenz und wurde schließlich stillgelegt.

Heute sind die verlassenen riesigen Hallen dem Verfall preisgegeben und bieten eine beeindruckende Kulisse.

Graffiti-Künstler haben ihre Spuren hinterlassen:

Bei den Treppen ist Vorsicht geboten, denn viele sind ungesichert und teilweise sehr marode:

Die Verwaltungsgebäude sind ebenfalls erheblich von Vandalismus betroffen und teilweise massiv einsturzgefährdet

Die Zukunft der Anlage ist unklar – wie bei so vielen Objekten dieser Art. Für diverse Action- und Kriegsfilme hat es bereits als Kulisse gedient, angeblich gibt es auch einen Investor, der das Areal erworben hat. Doch was anzufangen mit den ebenso imposanten wie maroden Gebäuden mit dem morbiden Charme? Eine Sanierung erscheint beim derzeitigen Zustand nahezu ausgeschlossen. Im Moment ist es jedenfalls ein beeindruckende Location, die jedem Urban Explorer das Herz aufgehen lässt.

Geschrieben von Mo

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